Geschwister-Scholl Preis für Roberto Saviano

Der italienische Autor Roberto Saviano, der mit seinem Bestseller Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra weltbekannt wurde, hat heute den Geschwister-Scholl-Preis verliehen bekommen. Für seinen Mut, denn den hat er, wenn auch nicht unbedingt freiwillig. Seit sein Buch erschienen ist muss er ständig seinen Wohnort wechseln, da er auf der Todesliste der Mafia steht, seine nächsten Angehörigen mussten die Identität wechseln. Er hat sich dieses Leben nicht ausgesucht, aber nun ist er darin gefangen. Ein wirklicher Skandal, der mitten in Europa stattfindet.

Zusätzlich zu seiner Verfolgung ist er auch teilweise sehr unbeliebt und wird angefeindet, weil er Dinge äußert, die viele nicht hören wollen. „Und genau das ist eben die zweite schwere Bürde, die er zu schultern hat: Weil so wenige Menschen den Kampf gegen die Camorra und die sie begünstigenden Umstände aufgenommen haben und weil noch weniger international Gehör finden, ist er zum moralischen Gewissen Italiens geworden. Wie oft war der Satz zu lesen, Roberto Saviano sei derzeit die wichtigste Stimme Italiens! Aber ich frage: Was ist das für eine Last für einen eben 30-Jährigen! (zeit.de, 16.11.09)“

Kürzlich hat er einen offenen Brief an die Regierung Berlusconi geschrieben, in dem er fordert, dass dieser einen Gesetzentwurf stoppt, der Verfahren auf 6 Jahre begrenzen will, wohl nicht zuletzt, um ein Verfahren gegen den Präsidenten selbst zu stoppen. Man kann nur hoffen, dass die Zustände, die ihn zu seinem jetzigen Leben zwingen, irgendwann zum Guten verändert werden.

Auf zeit.de gibt es eine sehr gute Laudatio zum Anlass der Preisverleihung. Aktuell stellt Saviano sein neues Buch ‚Das Gegenteil von Tod‘ vor.

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