Gibt es zu viel Lobbyismus in der Europäischen Union?

Viele bemängeln zurecht das Demokratiedefizit der EU. Ein Aspekt davon ist sicherlich die massive und oft schwer zu durchschauende Einflussnahme von Lobbiyisten auf die politischen Entscheidungen in Brüssel. Dabei steht der Lobbyismus grundsätzlich im Spannungsfeld zwischen legitimer Einflussnahme und beratender Funktion und einer Untergrabung der demokratischen Prinzipien und Prozesse bis hin zu Korruption. Die Europäischen Entscheidungsträger sind oftmals nicht in der Lage über bestimmte Zusammenhänge ausreichend informiert zu sein, um objektive Entscheidungen zu treffen, doch ist der Rückgriff auf hervorragend informierte Lobbyisten und Berater meist mit einer Interessenpolitik und Einflussnahme von deren Seite verbunden. Oft bleibt es jedoch auch nicht bei purer Beratung, sondern es wird geworben, umworben, geschenkt und Druck ausgeübt, um Entscheidungsträger in einer bestimmten Richtung zu beeinflussen. So üben Lobbyisten enorme politischen Macht aus, ohne, dass sie ein demokratisches Mandat hätten. Daher ist manchmal auch von der Fünften Gewalt die Rede, wenn es um Lobbyismus geht. In Brüssel soll es zwischen 10000 und 25000 von ihnen geben, mehr als in Washington. Etwa 70% von ihnen arbeiten für Unternehmen und Wirtschaftsverbände.
Weil der Einfluss von Lobbyisten in Brüssel gleichzeitig so massiv und so schwer zu durchschauen ist, fordern Organisationen wie LobbyControl und Transparency International oder die Initiative ALTER-EU die Begrenzung und Offenlegung von deren Aktivitäten.

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