Spekulation auf Griechenland

Abseits der gegenwärtigen Hysterie ob man nun Griechenland in der Euro-Zone ‚mitschleifen‘ sollte oder nicht, stößt ein weiteres Mal die Rolle der internationalen Finanzmärkte übel auf, diesmal verkörpert durch die Rating-Agenturen. Diese besitzen das staatlich anerkannte Recht über Wohl oder Weh der Kreditwürdigkeit von ganzen Ländern zu urteilen, und können durch solche ‚objektiven‘ Beurteilungen Lawinen vom Ausmaß Argentinien in den 90ern oder jetzt Griechenland lostreten. Das fatale dabei ist, dass auf die Kreditwürdigkeit und die Zahlungsfähigkeit munter mit milliardenschweren Hedge-Fonds spekuliert wird, was es nahezu unmöglich macht, die entstandene Dynamik abzumildern und die Dinge zu wenden. Die Einführung des Euro hat seinerzeit verhindert, dass auf einzelne Landeswährungen spekuliert werden konnte, da diese vom mächtigen Euro abgelöst wurden, beschrieben wurde das Szenario schon in der ‚Globalisierungsfalle‘. Doch heute sieht man, dass es doch gehen kann. Das traurige ist, dass diese Art von moralfreier Spekulation für Millionen Menschen große Einschnitte in ihr bescheidenes Auskommen bedeutet, und dass die Suppe ein weiteres Mal mithilfe staatlicher Steuerkredite aus den Euro-Staaten ausgelöffelt werden muss. Die einen spekulieren auf den Staatsbankrott und erzwingen ihn fast unweigerlich, die anderen zahlen die Zeche und soziale Unruhen, Verteilungskämpfe und schwindende Solidarität sind die Folge. Leider scheint sich das System nicht grundlegend zu ändern.

Anlässlich dieser sympatischen Geschichte gibt es hier noch das Video von einem humoristischen Interviews mit einem Investmentbanker von John Bird und John Fortune – ein großer Spaß – auch wenn der Humor letzlich erschreckend viel Wahrheit enthält…

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