Was bedeutet: Auswärtiges Amt der Vergangenheit?

Eine interessante Geschichte kam dieser Tage in Form des Berichts der Historikerkommission für die Rolle des Auswärtigen Amts in der Nazizeit ans Licht. Was bisher einfach unter den Teppich gekehrt wurde oder sogar unter dem Titel Elitediplomat Ruhm und Ehre einstrich, war natürlich ein weiteres Feld in dem der deutsche Staat in den 30er und 40er Jahren eine Menge Schuld auf sich lud und abscheuliche Verbrechen beging. Wie schon vor zwei Jahrzehnten die Wehrmacht wird jetzt auch das Auswärtige Amt durchleuchtet und manch einer scheint sich zu wundern, dass da nicht nur unbescholtene Ehrenbürger Politik machten, sondern dass das Amt ein weiterer Apparat im Apparat war. Dem ehemaligen Außenminister Fischer ist es zu verdanken, dass er dieses längst überfällige Tabu brach und die Kommission einsetzte, die jetzt ihre Ergebnisse präsentiert. Man muss seinen Vorgängern zurecht vorhalten, dass sie damit 60 Jahre lang gewartet haben, nachdem in den 50er Jahren viele der ehemaligen Nazi-Bediensteten weiter im Dienst blieben. Andererseits muss man den Deutschen zugute halten, dass sie sich weiterhin intensiv mit ihrer Vergangenheit beschäftigen und sich durch diese ständige Auseinandersetzung selbst definieren und neu beleben. „Für den Historiker sind die Mechanismen des Vergessens genauso interessant wie die Mechanismen der kollektiven Erinnerung“, schreibt Mosche Zimmermann im Zeit-Interview. Man darf hoffen, dass es auch noch weitere solcher Kommissionen geben wird, vielleicht für die Rolle der Juristen oder Mediziner zur Zeit der Nazis, die auch noch mangelhaft aufgeklärt sind.

Kommentar hinterlassen