Putin schafft sich ab

Wladimir Putin schwächt sich mit dem Urteil gegen die Sängerinnen von Pussy Riot wohl eher selbst. Zwei Jahre Straflager für 30 Sekunden ‚Punk-Gebet‘ – das entbehrt jeglicher Verhältnismäßigkeit, abgesehen davon ist der Vorwurf der Blasphemie in einem laizistischen Staat wie Russland gegenstandslos. Die Demonstration der Macht des Systems Putin zeigt vielmehr wie wenig Realitätssinn dem Kremlherrscher geblieben ist wenn er glaubt, er könne ernsthaft weitere Proteste durch Urteile wie dieses verhindern. Im Gegenteil: Kraft erzeugt Gegenkraft, Aktion erzeugt Reaktion, und Putin gibt der Protestbewegung nur neue Energie. Dass sich das System Putin überlebt hat steht inzwischen außer Frage, statt dessen ist diese wie lange es sich noch halten kann. Denn eines haben die Pussy Riot-Aktivisten ganz bestimmt geschafft: sie haben die russische Regierung dazu gebracht sich selbst lächerlich und angreifbar zu machen, ja fast wie ein verletztes Tier blind um sich zu schlagen. Wo das Regime früher noch diffuser und unangreifbarer war, Putin jede Beteiligung leugnen konnte – etwa bei den Morden an Journalisten oder den Prozessen gegen Oppositionelle oder gefährliche Oligarchen – da ist nun für die ganze Welt sichtbar geworden wer hier die willkürliche Macht und Gerichtsbarkeit ausübt, falls es daran überhaupt noch Zweifel gab. Pussy Riot hat so das System Putin im wahrsten Sinne des Wortes vorgeführt!

Es wird spannend zu beobachten sein wie lange Putin noch im Amt bleibt, und wie sich Oppositionelle und Proteste in Zukunft selbst organisieren. Dass ein Umbruch auch ohne oppositionelle Führer möglich ist wissen wir spätestens seit dem arabischen Frühling. Hier bildete sich eine kritische Masse meist junger Menschen über das Internet, die eine andere Zukunft für sich und ihr jeweiliges Land anstrebte. Vielleicht kann das auch in Russland geschehen – in Ägypten und Syrien hieß es schließlich zunächst auch, dass so etwas wie in Tunesien hier aus diesen und jenen Gründen nicht möglich sei.
Man kann nur hoffen, dass es weniger als die zwei Jahre dauert, die den Musikerinnen von Pussy Riot als ‚Strafe‘ verordnet wurde.

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