Flucht nach vorn in den Niederlanden

Die Niederländer machen einen großen Schritt vorwärts und zeigen Europa wie es gehen kann – auch in Zeiten der Krise und Erklärungsnöte. Nachdem sie ihre Politik jahrelang vom Rechtspopulisten Gert Wilders prägen ließen, der mit seinem islamfeindlichen Populismus die Politiker der etablierten Parteien das fürchten lehrte, haben sie nun offenbar genug von seinen Tiraden. Dazu mag auch beigetragen haben, dass er von der Islam- zur Europafeindlichkeit überging und den Austritt aus der EU und die Rückkehr zum Gulden forderte. So siegte die Vernunft über den Populismus, nicht zuletzt wegen der beherzten Politiker, die sich mit Argumenten gegen Wilders stellten und so punkteten. Nun darf man auf eine europafreundlichere Regierung und eine Politik der Mitte hoffen – vielleicht beginnen die Niederlande mit der zweiten Runde der ’neuen Mitte‘, die damals nach ihnen auch Gerhard Schröder in Deutschland und Tony Blair in Großbritannien erfanden.

Es ist ermutigend zu sehen, dass in den Niederlanden der Populismus nicht das letzte Wort behält oder das Ende der Politik bedeutet, sondern, dass vernünftige Argumente und Politiker, die sich ihm entgegen stellen, den Wind aus seinen Segeln nehmen können. Auch ist es vielleicht eine natürliche Bewegung extremer Positionen sich selbst so überzeichnen, dass am Ende gar keine ernst zu nehmenden Inhalte oder Aktionen zustande gebracht werden, und sie sich so selbst entzaubern. Man kann nur hoffen, dass etwas Ähnliches bei den Wahlen in den USA und Italien geschehen wird, wo mit den Exponenten irrationaler Politik Berlusconi und Romney und deren möglichem Sieg deutlich mehr auf dem Spiel steht, als in den Niederlanden. Aber auch dort gilt das gleiche Motto – Vernunft steht gegen geschürte Ängste und Ressentiments, Argumente gegen Populismus – und die Niederlande zeigen, dass man mit ernsthafter Politik gewinnen kann.

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