Vatileaks-Quellen für eine freie, starke und transparente Kirche

Petersdom

Während in Rom die Kardinäle für das Konklave zur Wahl des nächsten Papstes zusammen kommen, druckte die italienische Zeitung La Repubblica heute ein Interview mit einer der Quellen der geheimen Vatikandokumente. Die Papiere waren vom italienischen Schriftsteller Gianluigi Nuzzi in dem Buch ‚Seine Heiligkeit‘ abgedruckt worden, und ihre Veröffentlichung hatte im letzten Jahr in Kirchenkreisen ein Erdbeben ausgelöst. Vertrauliche Dokumente aus dem engsten Umkreis Benedikts XVI., sowie Briefe an ihn von Kardinälen, Bischöfen und Politikern waren plötzlich öffentlich und für jedermann zu lesen – die Affäre bekam den Namen ‚Vatileaks‘. In der Folge wurde der Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, als die Quelle ‚Maria‘ entlarvt, die die Dokumente kopiert und aus dem Vatikan herausgebracht hatte. Er wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt, dann aber nach kurzer Zeit vom Papst begnadigt.

Im heutigen Interview beschreibt der anonyme Befragte die Quelle der Vatileaks-Dokumente allerdings als einen Zusammenschluss von über 20 Personen: „Frauen und Männer, Laien und Prälaten“. Sie hätten sich organisiert, nachdem der Versuch die Günstlingswirtschaft in der vatikanischen Finanzverwaltung zu beenden von innerkirchlichen Kreisen blockiert worden war, und der zuständige vatikanische Diplomat Carlo Maria Viganò statt die Reformen zuende zu führen nach Washington versetzt worden war – die Details dazu kann man in Nuzzis Buch nachlesen. Die Motivation der Vatileaks-Quellen, so der Interviewte, sei der Einsatz für eine freie, starke und transparente Kirche, die sich wieder mehr an den Gläubigen ausrichten solle, die immer seltener die Kirche besuchen. Ihr Ziel sei es, bestimmte Personen im Vatikan zum Wandel zu zwingen, um ein Ende des Niedergangs der Kirche und einen „Neuanfang bei Null“ für den nächsten Papst zu ermöglichen.

Deshalb hängt die weitere Aktivität der Whistleblower auch von der anstehenden Wahl und den Reformmaßnahmen des nächsten Papstes ab. Ginge es nach ihnen, so sollten die Forderungen nach Reformen innerhalb und außerhalb der Kirche gehört und umgesetzt werden. Gianluigi Nuzzi hat laut der Quelle jedenfalls noch weitere unveröffentliche Dokumente vorliegen.

Kommentar hinterlassen