Zeitenwende in Syrien

So einfach wie man es sich nach der Revolution in Tunesien dachte, wird ist es doch nicht. Keine friedlichen Umwälzungen, die die Freiheit in den arabischen Autokratien bringt. Im Rückblick kann man Ben Ali dankbar sein, dass er sich so schnell davon machte. Zwar ist die Bewegung rund ums Mittelmeer ungebrochen. Doch zeigen andere Herrscher einmal mehr wie hässlich und rücksichtslos ihre Regime sind, auch wenn die Zeichen der Zeit schon längst gegen sie stehen.

Gaddafi in Libyen und Assad in Syrien bekämpfen den Wandel mit Zähnen und Klauen. Dabei zögern sie das unvermeidliche nur hinaus und vergießen unnötiges Blut in schrecklichen Bürgerkriegen. Und auch in Ägypten ist das alte Regime noch nicht Vergangenheit, mit Mubarak wurde lediglich dessen bekanntestes Gesicht vertrieben. Hinter den Kulissen wird die Macht weiterhin unter denen aufgeteilt, die sich keine Demokratie leisten können und wollen.

Doch trotz allem Widerstand scheint sich das Blatt in Syrien jetzt zu wenden. Gerüchte, dass die Assad-Familie versucht das Land zu verlassen, zeigen, dass die Fassade der Herrschaft bröckelt. Auch kann die Regierung längst nicht mehr das ganze Land kontrollieren. Trotzdem macht sie sich jeden Tag von neuem schuldig, vergießt weiterhin Blut. Das sich selbst die arabischen Verbündeten abgewendet haben und jetzt nur noch Russland und Iran an der Seite Syriens stehen zeigt, wie sich die Zeiten gewandelt haben.

Hier geht es immer noch um Machtkalkül, aber eine neue Zeit ist angebrochen. Die jungen arabischen Demonstranten haben das geschafft, was niemand für möglich gehalten hätte: eine Diktatur nach der anderen bricht zusammen. Die Hoffnung, dass eines Tages auch der Iran sich wandelt, lässt die Zukunft besser erscheinen – trotz all der Horrormeldungen aus den arabischen Ländern.

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