China und Taiwan führen erstmals offizielle Gespräche

China und Taiwan trafen sich am Dienstag zu den ersten offiziellen Gesprächen seit Ende des chinesischen Bürgerkriegs im Jahr 1949. Das Treffen fand in der chinesischen Stadt Nanjing statt. Das es zu einem solch historischen Zusammentreffen kommen konnte, war auch das Ergebnis einer Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen in den letzten Jahren.

Während das Verhältnis zwischen den beiden Ländern in den vergangenen Jahrzehnten oftmals von militärischen Drohgebärden geprägt war, bedeutet das jetzige Treffen einen politischen Durchbruch. In Taiwan regiert seit 2008 mit Präsident Ma Ying-jeou ein Politiker, der China eher freundlich gesonnen ist, was die Beziehungen zum Festland deutlich normalisierte. Wohl auch weil das Ende seiner Amtszeit absehbar ist, hat China nun ein Interesse daran, die verbesserten Beziehungen zu Taiwan zu institutionalisieren. So hatte Chinas Staatspräsident Xi Jinping Ende letzten Jahres erklärt, eine politische Lösung der Taiwan-Frage lasse sich nicht endlos aufschieben.

Formal befinden sich die beiden Länder seit über 60 Jahren im Kriegszustand. China betrachtet Taiwan noch immer als Teil seines Territoriums, und Schritte, die Taiwan in Richtung formale Unabhängigkeit unternimmt, werden aus Peking oftmals mit der Androhung militärischer Gewalt beantwortet. Derweil gibt es inzwischen aber regen wirtschaftlichen und touristischen Austausch zwischen der Insel und dem chinesischen Festland, daher ist China auch an einer pragmatischen Beziehung zu dem abtrünnigen Nachbarn interessiert.

Bisher gab es zwischen beiden Ländern nur inoffizielle Begegnungen. Beim den jetzigen Gesprächen wurde beschlossen die Kommunikation zu verbessern und zu formalisieren, außerdem wurden Handelsfragen besprochen. Das historische Treffen, das gleichzeitig hohen Symbolcharakter hat, zeigt den guten Willen der beiden Länder ihr schwieriges Verhältnis pragmatisch zu regeln und könnte zu gegenseitigen ständigen Vertretungen führen, auch wenn viele Differenzen und offene Fragen bleiben. Doch sogar ein Treffen der beiden Staatschefs Xi Jinping und Ma Ying-jeou beim nächsten APEC Gipfeltreffen im Herbst in China ist nicht mehr undenkbar.

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