Afghanen trotzen den Taliban und wählen neuen Präsidenten

Trotz massiver Drohungen und vieler Anschläge durch die Taliban in den letzten zwei Monaten gingen heute unerwartet viele Afghanen zur Wahl, bei welcher der Nachfolger von Präsident Karsai bestimmt werden soll. Karsai scheidet nach zwei Amtszeiten aus dem Amt und unter dem Schutz hunderttausender Sicherheitskräfte standen 8 Kandidaten zur Wahl. Als die aussichtsreichsten unter ihnen gelten Abdullah Abdullah und Zalmai Rassoul, beides frühere Außenminister, sowie der ehemalige Finanzminister Ashraf Ghani.

Mit dem Wahltag beginnt jedoch lediglich ein längerer Prozess, bis ein neuer Präsident feststeht. Die Auszählung der Stimmen wird voraussichtlich mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Es ist unwahrscheinlich, dass einer der Kandidaten schon im ersten Wahlgang eine ausreichende Mehrheit erzielen kann, und eine Stichwahl wird frühestens ab Ende Mai stattfinden. Bei den gleichzeitigen Wahlen der Provinzräte gab es mehr weibliche Kandidatinnen als jemals zuvor, zwei kandidieren sogar für das Amt des Vizepräsidenten.

Zwar mussten über ein Zehntel der 7500 Wahllokale wegen Anschlagsdrohungen geschlossen bleiben, doch überraschenderweise blieb der Tag der Wahlen weitgehend gewaltfrei. Trotz einiger Zwischenfälle gab es weniger Opfer von Gewalt, als an normalen Tagen in Afghanistan. Im Vorfeld der Wahlen waren Armee und Sicherheitskräfte mobilisiert worden, um die Sicherheit der Wahlen zu gewährleisten. Außerdem wurden Vorkehrungen getroffen, die eine mögliche Wahlfälschung verhindern sollten, um zweifelhaften Ergebnissen wie bei den Wahlen 2009 vorzubeugen.

Wegen des großen Andrangs an Wählern mussten Wahllokale trotz starkem Regen, Kälte und der Angst vor Anschlägen länger geöffnet bleiben. Mancherorts mussten weitere Wahllokale geöffnet werden und zusätzliche Stimmzettel herbeigeschafft werden, während die Wähler auch noch in der Dunkelheit in der Schlange warteten. Politik, Bürger und Medien priesen die Wahl als wichtigen Meilenstein in der Entwicklung Afghanistans und als Erfolg über die Taliban, die es nicht schafften die Wahlen gewaltsam zu stören oder zu verhindern.

Die afghanische Wahl ist umso bedeutsamer, da das Mandat der ISAF-Schutztruppen zum Jahresende ausläuft. Die Aufgaben des nächsten Präsidenten werden enorm sein. Zunächst muss ein neues Sicherheitsabkommen mit den USA vereinbart werden, dass Voraussetzung für ein neues NATO-Mandat ist. Außerdem wird es wichtig sein den Friedensprozess und die Beziehungen mit Pakistan zu erneuern, sowie Armut, Korruption und Sicherheitsfragen in Afghanistan anzugehen.

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