Erneuerbare Energien werden immer wichtiger in Europa

In einigen der größten Staaten Europas erreicht die Produktion erneuerbarer Energien immer neue Rekordhöhen und beweist, wie weit die Umstellung auf grüne Energie bereits vorangeschritten ist.

Deutschland konnte im ersten Halbjahr 2014 einen Rekordanteil von 28,5 Prozent seines Stroms durch erneuerbare Energien abdecken. Verglichen zum Vorjahr ist das ein Anstieg von knapp vier Prozent, im ersten Halbjahr 2013 lag der Anteil der Erneuerbaren bei 24,6 Prozent. Die Gründe für den Anstieg sind vor allem günstige Witterungsbedingungen und der zusätzliche Zubau von Erneuerbare-Energien-Anlagen. Allein der Strom aus Wind und Sonne machte ca. 17 Prozent der deutschen Stromproduktion aus.

Den stärksten Zuwachs hatte die Solarenergie, die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28 Prozent zulegte. Auch der Anteil der Windenergie wuchs weiter um 19 Prozent. Gleichzeitig ging der Anteil konventioneller Stromanlagen an der Energieerzeugung zurück – für Erdgas um 25 Prozent, für Steinkohle um 11 Prozent, für Braunkohle um 4 Prozent, der Anteil von Kernenergie blieb nahezu gleich. Überschüssige Energie wurde aus Deutschland in Nachbarländer exportiert.

Auch in Spanien wuchs der Anteil grünen Stroms weiter. Im ersten Halbjahr 2014 wurden 51,6 Prozent der iberischen Stromproduktion durch erneuerbare Energien abgedeckt, davon 22,2 Prozent durch Windenergie, 18,8 Prozent durch Wasserkraft, 7,3 Prozent durch Solarthermie und 3,3 Prozent durch Solarenergie. Die Windenergie ist in Spanien inzwischen die wichtigste Quelle der Stromerzeugung, sie liegt knapp vor der Kernenergie, die für das erste Halbjahr 2014 21,6 Prozent der Stromproduktion ausmachte.

In Italien haben die erneuerbaren Energien ebenso schon jetzt einen größeren Anteil am Energiemix, als in Deutschland. So konnte in den ersten sieben Monaten diesen Jahres die grüne Stromproduktion Italiens 38,9 Prozent der heimischen Nachfrage decken, der Anteil an der italienischen Stromproduktion lag bei 44,9 Prozent. Durch seinen schon 1987 beschlossenen Atomausstieg ist das Land jedoch weiterhin auf Stromimporte angewiesen.

In Großbritannien wächst der Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix stetig, auch wenn er bisher einen vergleichsweise geringen Anteil ausmacht. Im Jahr 2013 wurden 14,9 Prozent der britischen Stromproduktion durch Erneuerbare abgedeckt, den größten Anteil hatte die Windenergie mit 53 Prozent. Verglichen zum Jahr 2012 erzielte Großbritannien somit einen Zuwachs von 30 Prozent für die erneuerbaren Energien. Für den 17. August 2014 konnte die Stromproduktion durch Windenergie einen neuen Rekord erzielen und erzeugte 22 Prozent des gesamten britischen Stromverbrauchs für diesen Tag.

Auch Frankreich, das bisher das Gros seiner Elektrizität durch Kernenergie erzeugt, schwenkt langsam um. Ende Juli präsentierte die französische Energie- und Umweltministerin Ségolène Royal einen Gesetzentwurf, der Investitionen von 10 Milliarden Euro in erneuerbare Energien vorsieht, um die Kosten für Öl und Gas zu senken und den Anteil der Kernenergie an der Energieproduktion auf 50 Prozent zu senken.

Bezogen auf die gesamte EU gewinnen erneuerbare Energien immer mehr an Bedeutung. Bis 2020 sollen 20 Prozent der gesamten in der Union verbrauchten Energie – nicht nur der Elektrizität – aus erneuerbaren Quellen stammen. Bereits 2012 betrug für die EU der Anteil grüner Energien ca. 14,1 Prozent, verglichen mit 8,3 Prozent im Jahr 2004. Die höchsten Anteile erneuerbarer Energie am Gesamtenergieverbrauch für 2012 erreichten Schweden (51.0%), Lettland (35.8%), Finnland (34.3%) und Österreich (32,1%).

Angesichts der sinkenden Kosten für erneuerbare Energien dürfte sich der Trend zu einer immer stärkeren Bedeutung der grünen Energie weiter steigern und sich bald in ganz Europa zur selbstverständlichen Perspektive für zukünftige Energiegewinnung entwickeln. In Dänemark wurde Windenergie kürzlich zur billigsten Energiequelle – der Preis für Strom aus neuen Windrädern liegt damit bei der Hälfte des Preises für Strom aus neuen Kohle- oder Gaskraftwerken. Im vergangenen Dezember produzierten Windräder mehr als die Hälfte des dänischen Stroms.

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