Windenergie weltweit mit Rückenwind

In Zeiten der immer drängender werdenden Klimaproblematik, der die Politik oft nur unzureichend begegnet, gibt die zunehmende Nutzung von Windenergie Anlass zur Hoffnung auf eine globale Energiewende. Während in den letzten Jahren nach Deutschland und Europa vor allem die USA, China und Indien massiv Kapazitäten für die Windenergienutzung ausbauten, investieren inzwischen verstärkt auch Länder in Osteuropa, Lateinamerika und Afrika in neue Windparks zur Energiegewinnung.

Windenergie

Schon jetzt liefert Windenergie 4 Prozent des weltweiten Stroms. (Foto: JP)

Bis Ende diesen Jahres wird die Kapazität der installierten Windkraftanlagen weltweit ca. 360 000 Megawatt (MW) betragen und rund vier Prozent des globalen Elektrizitätsbedarfs decken. Fast die Hälfte des Windstroms wird dabei inzwischen von den „Klimasündern“ USA und China produziert, wo die Förderung von Windkraft in den letzten Jahren stark ausgebaut wurde. Dabei ist vor allem die Entwicklung Chinas bemerkenswert – in der ersten Jahreshälfte von 2014 wurden 41 Prozent aller neuen Windkraftanlagen im Reich der Mitte installiert.

In den USA werden inzwischen rund vier Prozent des Stroms aus Wind gewonnen. Dabei variiert die Nutzung von Windkraft stark nach den einzelnen Bundesstaaten. Während etwa in Iowa oder South Dakota im letzten Jahr schon fast ein Drittel des Stroms aus Windrädern gewonnen wurde, gibt es in anderen Bundesstaaten noch kaum Windkraft im Energiemix. Führend in den USA ist das als Ölstaat bekannte Texas, wo über ein Fünftel des US-Windstroms produziert wird.

Als weltweit größter Produzent von Windkraft hat China sein Ziel, bis Ende 2015 eine Kapazität von 100 Gigawatt (GW) an Windkraftanlagen zu installieren, schon jetzt annähernd erreicht. Das Land benennt die Windenergie als eine Schlüsselkomponente für das Wachstum seiner Wirtschaft – nach Kohle und Wasserkraft steht der Wind als Energielieferant inzwischen an dritter Stelle. In vielen Fällen konnte jedoch der Netzausbau mit den vielen neuen Windkraftanlagen nicht mithalten, sodass nicht alle Neuinstallationen genutzt werden können.

Windenergie weltweitParallel zu diesem rasanten Ausbau der Windenergie wächst auch die Produktivität der Windkraftanlagen. So werden Windräder ständig durch Innovation verbessert, etwa durch größere Höhen sowie längere und leichtere Rotoren, und die Kosten sinken zusätzlich durch verbesserte Produktionsabläufe in der Herstellung. Zusätzlich entsteht derzeit vor allem in den USA und China ein Markt für Kleinwindkraftanlagen, die zur Nutzung für einzelne Gebäude oder geringen Strombedarf interessant sind.

Ein großes Feld, das derzeit erschlossen wird, ist die Nutzung der Offshore-Windenergie. Anders als zu Land weht der Wind an Küsten und auf dem offenen Meer deutlich stärker und beständiger, weshalb er ein enormes Potenzial als Energiequelle hat. Dem stehen technische Herausforderungen für die Widerstandsfähigkeit der Materialien und die Installation und Instandhaltung von Windparks gegenüber. Derzeit ist Europa führend in der Nutzung der Offshore-Windenergie.

In der Nordsee und vor den Küsten Großbritanniens sind bereits große Windparks im Einsatz. Im günstigsten Fall werden die Preise für Offshore-Wind in den nächsten Jahren ähnlich fallen wie für andere erneuerbare Energien und damit eine weltweite Nutzung einleiten. Auch die USA und China messen der Offshore-Windkraft große Bedeutung bei und entwickeln eigene Industrien für deren Nutzung. In Indien soll bald ein Offshore-Pilotprojekt mit einer Kapazität von 100 Megawatt gebaut werden, das deutsche Windenergieanlagen nutzen könnte.

All das zeigt wie wichtig Windenergie schon heute für den globalen Energiemix geworden ist, und wie schnell deren Ausbau bei gleichzeitig fallenden Preisen voran schreitet – eine ähnliche Entwicklung wie bei der weltweiten Nutzung von Solarenergie. Durch die fallenden Preise investieren auch Schwellen- und Entwicklungsländer in Lateinamerika und Afrika immer stärker in Windenergie.

In Dänemark und Spanien ist Windenergie schon heute der größte Lieferant von Elektrizität. Im Dezember 2013 wurde in Dänemark im Mittel 54,8 Prozent des gesamten Stroms von Windrädern produziert – ein beeindruckendes Beispiel für das Potenzial erneuerbarer Energien.

Heute wird bereits in über 100 Ländern kommerziell Windstrom produziert. Prognosen sagen für den Markt der Nutzung von Windenergie in den kommenden Jahren ein starkes Wachstum voraus. Einer moderaten Schätzung des Global Wind Energy Council zufolge könnten bis Ende 2018 Windkraftanlagen mit einer Kapazität von 600 000 MW installiert sein. Die meisten Prognosen zu erneuerbaren Energien müssen jedoch angesichts der Entwicklung der Märkte mit der Zeit nach oben korrigiert werden.

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